Bahnhofsuhren genießen Kultstatus
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Die Bahnhofsuhr
Jeder kennt diesen einen Moment… man hetzt zum Gleis und wirft einen letzten Blick auf die große Bahnhofuhr. Schaffe ich es noch? Bin ich zu spät? Oft scheinen die Sekunden zu fliegen…und in anderen Momenten stehen zu bleiben.
Bahnhofsuhren sind Kult. Und mit ihnen der magische Moment wenn die Sekundenkelle die Zwölf erreicht hat. Denn genau dann ruht alles für magische anderthalb Sekunden bevor die Kelle weiterzieht und der Minutenzeiger eine Minute weiterspringt.
Entwickelt und designt wurde die SBB-Bahnhofsuhr 1944 von Hans Hilfiker und ist seitdem an allen Bahnhöfen der Schweiz zu finden. Um Gangungenauigkeiten zwischen den einzelnen Uhren im Bahnhof aufzuheben entstand die Idee der gemeinsamen Synchronisation wenn eine Minute verstrichen ist. Die Bahnhofsuhr durchläuft eine Minute daher in 58,5 Sekunden und pausiert dann kurz. Synchronisiert wurde sie damals über das Telefonnetz und das Stehenbleiben wurde dadurch gewährleistet, dass ein Stift einrastet und die Zeiger still hält. Um die kleinen Ungenauigkeiten in der Laufenden Minute zu korrigieren entstand ebenfalls das Design der großen, roten Kelle. Ein weiterer Aspekt für die Form und die Farbe des Zeigers war die gute Sichtbarkeit bei Tag und bei Nacht. Von dort an begeistert das Design mit seinem eigenen Charme: klassisch, klar, nüchtern und mit einer roten Kelle, die inzwischen Kult ist.
Durch die Zusammenarbeit der SBB und der Firma Mondaine gibt es dieses Stück Schweizer Design seit 1986 sogar als Armbanduhr. Hilfiker betonte den Wert, den Witz und Humor in unserem Leben spielen, und dass sie oft die Basis neuer Ideen bilden. So entstand auch die Idee die Bahnhofsuhr auf das Handgelenk wandern zu lassen eher aus einem Witz. Der Designer Erwi Bernheim und seine Söhne waren auf der suche nach einer neuen Uhr. Aus Zufall kombinierten sie ein einfaches Uhrengehäuse mit einem Stück Papier auf dem ein Zifferblatt zu sehen war. Plötzlich war klar: Das sieht aus wie die SBB-Bahnhofuhr auf dem Arm! Die Bahnhofsuhr legte somit eine zweite Karriere hin, diesmal nur nicht am Dach des Bahnhofs oder an den Gleisen.